»Komm, wir fahren nach Beyenburg.« Das ist bei uns zu Hause ein typischer Samstagvormittagssatz, wenn wir nach einer anstrengenden Woche ein Ausflugsziel für eine kurze Fahrradtour brauchen. Das dauert von Wuppertal-Langerfeld nur eine halbe Stunde, durch den Wald, an alten Fachwerkhäusern vorbei, immer an der Wupper entlang.
Wenn wir dann nach Beyenburg reinradeln, komme ich mir jedes Mal vor, als wäre ich durch einen verwunschenen Vorhang in eine kleine Zauberwelt aus einer vergangenen Zeit gerutscht. Die typisch bergischen mit Schiefer verkleideten Häuser der Altstadt stapeln sich am Hang des Beyenburger Stausees, gekrönt von der aus dem 15. Jahrhundert stammenden Klosterkirche Maria Magdalena. Ein wahres Postkartenmotiv. Allerlei Schauspieler und Sternchen sollen hier wohnen, aber ich habe noch keinen davon gesehen. Ich schaue mir lieber die architektonischen Details an. Das ist schon fast ein Ritual bei uns. Runter vom Fahrrad und immer dieselben Gässchen und Treppchen entlang, bis zur letzten Häuserreihe direkt unten an der Wupper. Da steht ein großes Haus aus Natursteinen mit weißen Fenstern. Das hat mein Mann sich ausgesucht und stellt sich jedes Mal vor, wie er mit seinem Kaffee auf der Terrasse sitzt und der Wupper beim Plätschern zuhört.
Mein Favorit ist auf der anderen Seite des Flusses. Es gibt da unten eine schmale Fußgängerbrücke über die Wupper, die aus der Altstadt hinausführt. Von dort aus kann man in den duftenden Wald wandern. Neben der Brücke ist ein Grundstück mit einer großen Obstwiese und einem alten Industriegebäude drauf. Roter Backstein, riesige Fenster, ein großer lichtdurchfluteter Raum. Was da wohl einmal drin war? Eine Werkstatt? Ich liebe dieses altindustrielle Flair von Wuppertal. Früher war die Wupper bunt, sagen die Alten. Von den Abwässern der Textilindustrie, die direkt in den Fluss geleitet wurden. Heute schwimmen wieder Forellen darin. Und die Industrieruinen, besonders wenn sie etwas außerhalb liegen wie dieses kleine Juwel hier, haben heute unglaublich viel Charme und Potential.
Langsam schieben wir das Fahrrad an der Staumauer entlang zurück zur Straße. Manchmal bilde ich mir ein, auf der Fischtreppe eine Forelle zu sehen, aber wie die Schauspieler und Sternchen machen die Fische sich in Beyenburg heute eher rar.
Gut zu wissen
Altstadt von Wuppertal-Beyenburg, 42399 Wuppertal-Beyenburg. Für eine Erfrischung oder ein Stück Kuchen gehen wir am liebsten ins Eiscafé Cortina (Am Kriegermal 49, 42399 Wuppertal-Beyenburg). Anreise: Haltestelle Beyenburg Mitte, Bus (Linien 616 und 626). Für Autofahrer: Einfahrt über »Am Wupperstollen«, Parken »Am Untergraben« direkt an der Wupper.


