Rosenduft umgibt mich, sobald ich die Rampe zu dem Garten auf Fort X emporlaufe. Oft verbringe ich meine Mittagspause hier, denn obwohl mitten in der Stadt gelegen ist die kleine Parkanlage eine Insel der Ruhe – eine Einladung zum Müßiggang, die ich immer wieder gerne annehme.
1815 wurde das Rheinland Preußen zugesprochen und Köln in der Folge zur Festungsstadt ausgebaut. Als Ersatz für die mittelalterliche Stadtmauer errichten die Preußen einen neuen Verteidigungsring. Mehrere Forts reihen sich entlang dieser Linie. Nach dem Ersten Weltkrieg wurden die Wehranlagen gesprengt, doch die preußischen Forts sind teilweise erhalten geblieben. Zu verdanken ist dies dem damaligen Kölner Oberbürgermeister und späteren Bundeskanzler Konrad Adenauer. Er setze sich für den Erhalt der Anlagen und Umwandlung zu Grünanlagen ein. Auf dem zehnten Fort wurde – wohl ganz im Sinne des Rosenliebhabers Adenauer – ein Rosengarten angelegt, errichtet in den 1920er-Jahren vom renommierten Gartenarchitekten Fritz Encke.
Das von außen wehrhaft wirkende Bauwerk ist erstaunlich gut erhalten. Doch von der einstigen militärischen Nutzung spürt man nichts mehr. Friedlich wirkt die Anlage, denn nur wenige Besucher verlaufen sich hierher. Wie mag es hier vor rund 200 Jahren ausgesehen haben, als Soldaten das Fort bevölkerten? Heute sind Rosen die Hauptdarsteller des kleinen Parks. Das farbenprächtige Arrangement der rund 60 verschiedenen Rosensorten geben dem alten Gemäuer ein reizvolles Gepräge. Einzig die symmetrische Anlage der Beete lässt noch etwas militärische Ordnung erkennen. Zentrum des Parks ist ein Pavillon, der 2013 im Zuge einer Renovierung der Gartenanlage instand gesetzt wurde. Davor gruppieren sich zahlreiche Beete mit den edlen Pflanzen. Die Farbenpracht ist betörend – da erstrahlen die rosafarbenen Blüten der Rose Ave Marie, dort leuchten die Blüten der Goldmarie im kräftigen Gelb.
Für einen Spaziergang ist der Park zu klein, bestenfalls kann man hier etwas Schlendern. Doch meist sitze ich nur auf einer Bank. Etwas erhaben über den Straßenschluchten kann man hier die Sonne genießen und das schwache sonore Brummen des Straßenlärms lässt die Hektik der Stadt nur erahnen. Entspannt beende ich meine Mittagspause und tauche wieder ein in die Betriebsamkeit der Stadt.
Gut zu wissen
Rosengarten auf Fort X, Neusser Wall 33, 50670 Köln. Öffnungszeiten von Mai bis Oktober: Mo. – Fr. 7 bis 20 Uhr, am Wochenende und an Feiertagen 9 bis 20 Uhr. Wer mehr über den Rosengarten und die Rosen, die dort blühen erfahren möchte, der lese nach in »Blütenrausch im Rheinland«, erschienen im J.P. Bachem Verlag. Anreise: Haltestelle Reichenspergerplatz, Straßenbahn (Linien 16, 18), von dort 500m zu Fuß.


