von Gastautor Werner Zahn
Werner Zahn war Lehrer in seiner Heimatstadt Detmold und hat sich kommunalpolitisch engagiert. Regional ist er im Lippischen Heimatbund aktiv und betreut die Webseite www.kinder-lippe.de – hier erfahren Kinder mehr über ihre Regionalgeschichte und über das Lippisch Platt:
Mich begleitet es nun schon fast siebzig Jahre, das Hermannsdenkmal im Teutoburger Wald. Es ist etwa doppelt so alt und wurde 1875 durch Kaiser Wilhelm I. eingeweiht – ein Symbol für deutsche Stärke sollte es sein, ein Symbol für Überheblichkeit wurde es.
Wenn ich aus dem Fenster schaue, glaube ich immer, dass der Hermann mir zuwinkt, weil er mit seinem Schwert über den Teutoburger Wald hinausragt. Gott sei Dank habe ich nur die friedliche Hälfte seiner Existenz miterlebt, einen freundlichen Mann, der die vielen Touristen aus aller Welt schon von weit her begrüßt. Dieser Mann stellt den Cheruskerfürsten Arminius dar, der im Jahre Neun die Schlacht gegen die Römer gewonnen hat. Bei genauem Hinsehen ist sein Blick nicht freundlich, er blickt drohend Richtung Frankreich. Klar, dass auch die Nationalsozialisten diesen Hermann für ihre Ziele einsetzten, so war Adolf Hitler schon 1926 am Denkmal. Das ehemalige Land Lippe bescherte der NSDAP dann auch 1933 die erste Mehrheit in einem Länderparlament.
Von diesen Ereignissen blieb ich als Kind und Schüler geradeso verschont. Ich liebte meinen Hermann und am Wochenende haben wir Ende der 1950er-Jahre immer die vielen Autos bewundert, die an unserer Haustür nach dem Besuch des Denkmals vorbeifuhren. Später folgten noch andere, wenngleich friedfertige, Politiker dem Ruf des Hermann, 1976 kam Kanzler Willy Brandt als Wanderer und 2009 Kanzlerin Angela Merkel zu den Feierlichkeiten zum 2000-jährigen Jubiläum der Varusschlacht.
Jetzt geht es für euch zum Hermannsdenkmal! Zu Fuß und mal von der seltener genutzten Seite, stellt Ihr euer Auto im Ortsteil Heiligenkirchen am Cultur Café ab. Nehmt euch ruhig drei bis vier Stunden Zeit, wenn ihr das Denkmal besteigen wollt und informiert euch im »Kompetenzzentrum Wandern WALK«. Los geht‘s in Heiligenkirchen am Krugplatz. Über den Kirchhof geht es auf die Denkmalstraße, rechts über einen Bauernhof, an der Obstbaumgalerie vorbei, dann nach rechts auf den Teutholzweg, der euch durch den Teutoburger Wald an kleinen Bächlein vorbei auf den Hermannsweg führt. Jetzt geht es bergauf bis zum Denkmal. Ich empfehle oben den Rundweg ums Denkmal.
Heute ist das Hermannsdenkmal ein Symbol für Frieden, aber geht das überhaupt?
Gut zu wissen
Hermannsdenkmal, Grotenburg 50, 32760 Detmold, www.hermannsdenkmal.de. Öffnungszeiten: Mrz. – Okt. von 9 bis 18.30 Uhr und Nov. – Feb. von 9.30 bis 16 Uhr. Führung: 6€ / 3€ inkl. Besteigung. Anreise: Mit dem Bus in der Saison Sa., So. und feiertags von Detmold mit der Touristiklinie 792 bis zum Parkplatz Hermannsdenkmal, wochentags die Linien 703 und 704.


